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	<title>Julias Jinan</title>
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	<description>Mein Leben in China</description>
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		<title>Weniger China als in Japan geht nicht</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 04:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, mein Freund China und ich haben uns in den letzten Wochen erstaunlich gut verstanden. Gut, das lag auch daran, dass Jörg da war und mit dem Staunen eines China-Neulings auch meinen Blickwinkel ein bisschen verändert hat. Aber wir &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/374">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Liebes Tagebuch,<br />
mein Freund China und ich haben uns in den letzten Wochen erstaunlich gut verstanden. Gut, das lag auch daran, dass Jörg da war und mit dem Staunen eines China-Neulings auch meinen Blickwinkel ein bisschen verändert hat. Aber wir wollen den fragilen Frieden ja nicht überstarapazieren, und deswegen verbringe ich dieses Wochenende zur Abwechslung bei jemand Neuem: Japan. Ich weiß, dass China Japan nicht besonders mag, aber ich mach das nicht, um ihm eins auszuwischen. Ehrlich.</em></p>
<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/20120508-130313.jpg"><img class="alignleft size-full" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/20120508-130313.jpg" alt="20120508-130313.jpg" /></a>Tokio soll toll sein. Ich kann das noch nicht sagen, denn noch sitze ich im Flugzeug. Aber dieser Flug ist schon so ein Highlight, dass Tokio sich echt anstrengen muss. Ihr könnt es euch wahrscheinlich nicht vorstellen, aber die paar Stunden an Bord der Delta Airlines sind an sich schon wie ein Urlaub. Ein paar Stunden in den USA.<br />
Es ist unglaublich, welch Hochgefühl in mir aufsteigt, wenn die Stewardess in wunderschönem Akzent aus dem mittleren Westen sagt: &#8220;Welcome on board, folks!&#8221; Oder dann der Pilot mit seiner wunderbar runden, breiten Aussprache von &#8220;Narita Airport&#8221;&#8230;<br />
Als inflight entertainment gibt es Clooney, in Originalsprache &#8211; OHNE CHINESISCHE UNTERTITEL (der Beweis im Bild)! Selbst die chinesisch aussehenden Flugbegleiter hören sich nach amerikanischen Muttersprachlern an. Der Kaffee schmeckt genau wie der, den wir bei unserem ersten New-York-Trip immer am Hotel-Frühstücksbuffet getrunken haben. Sogar die Plastikbecher sind dieselben, außer, dass hier eben Delta und nicht Holiday Inn drauf steht. Und das Ei mit Tomate und Kartoffeln schmeckt genauso scheiße wie an jedem drittklassigen Hotelbuffet in USA. Einfach großartig!<br />
Und dann diese Szene, als Miss &#8220;Welcome on board, folks&#8221; besagtes Plastikgeschirr einsammeln will. Für alle gut erkennbar trennt sie den Müll feinsäuberlich nach Plastik, Pappe, Essensresten, sogar die zwei verschiedenen Becherarten werden auseinanderklamüsert. Aber die übereifrige Chinesin auf 24G schmeißt einfach ihr ganzes Tablett in den Wagen, was die Stewardess für einen kurzen Moment aus der Fassung zu bringen droht. Und nach der Landung springen sie wieder auf, unsere Freunde, trotz des mehrmaligen, im Grunde überflüssigen Hinweises, bis zum Erlöschen der Anschnallzeichen sitzen zu bleiben.<br />
Manchmal ist dieses &#8220;Wir&#8221; und &#8220;Sie&#8221;, das Eigene und das Fremde, ein gutes Gefühl. Zumindest dann, wenn das &#8220;Wir&#8221; ausnahmsweise mal in der Überzahl ist.</p>
<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/Tokio-Mini-Limousine-Bus.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-382" title="Tokio Mini Limousine Bus" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/Tokio-Mini-Limousine-Bus-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/Tokio-HM.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-385" title="Tokio H&amp;M" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/Tokio-HM-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><br />
Der Rest in Kurzfassung: Tokio ist tatsächlich so genial, wie alle sagen. Ein einziges Freilichtmuseum für Studenten der Architektur oder des (Mode-)Design. Hier sieht sogar H&amp;M stilvoll aus, zumindest von außen (s. linkes Bild). Die kongeniale Architektur ist wohl aus der Not geboren: Es ist einfach wenig Platz und in die Höhe gehts wegen der Erdbeben nicht. So ist eben alles ein bisschen kleiner, auch die Busse (s. rechtes Bild). Ansonsten gibt es natürlich Sushi, Kobe-Rind (s. Bild unten) und Brunch im Ritz-Carlton. Die Japaner <a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/Tokio-Kobe-Beef.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-383" title="Tokio Kobe Beef" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/05/Tokio-Kobe-Beef-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>selbst sind in so ziemlich jeder Hinsicht das krasse Gegenteil der Chinesen. Alles manifestiert sich in ihren Toiletten. Sogar im U-Bahnhof sind diese nicht nur sauber, sondern auch wohlriechend. Und haben neben einem elektrisch gesteuerten Bidet samt Bachrauschen zum Übertönen etwaiger anderer Geräusch, ja, beheizte Brillen.<br />
Am Flughafen auf der Heimreise planen wir das zweite Halbjahr: Über unseren Hochzeitstag geht es nach Hainan (Chinas Antwort auf die Malediven) und im Oktober über Bangkok (das sollte man sich wohl noch anschauen, vor es ersäuft) nach Sydney. Das Unterwegssein wird langsam zum Normalzustand. Gut so.</p>
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		<title>Vetrauen ist gut&#8230; aber was ist besser?</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 14:04:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, eine Beziehung hat mit Vertrautheit zu tun &#8211; und Vertrautheit kommt von Vertrauen. Daran arbeiten wir noch, mein Freund China und ich. Und ich bemühe mich wirklich sehr, ein vertrauenswürdiger Partner zu sein. Ich lerne, seine Sprache zu &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/366">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/Julia-Foto-große-Mauer-klein.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-371" title="Julia Foto große Mauer klein" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/Julia-Foto-große-Mauer-klein-300x223.jpg" alt="" width="300" height="223" /></a>Liebes Tagebuch, </em></p>
<p><em>eine Beziehung hat mit Vertrautheit zu tun &#8211; und Vertrautheit kommt von Vertrauen. Daran arbeiten wir noch, mein Freund China und ich. Und ich bemühe mich wirklich sehr, ein vertrauenswürdiger Partner zu sein. Ich lerne, seine Sprache zu sprechen und mich wie er zu benehmen (ok, manchmal). Aber gerade dann, wenn ich den Eindruck habe, ich könnte jetzt auch ihm vertrauen, tritt er mich genüsslich in den Arsch.</em></p>
<p>Wie sicher und selbstverständlich ich mich mittlerweile in China bewege, ist mir in den letzten Tagen deutlich aufgefallen: Mein Bruder Jörg ist als erster Besucher in unsere neue Heimat gekommen und ich habe dadurch meine Qualitäten als Reiseleiterin getestet (im Bild: auf der Großen Mauer). Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und natürlich unsere liebsten Restaurants in in Beijing, Jinan und Shanghai standen auf dem Programm.</p>
<p>Dabei war ich selbst überrascht, wie weit mich meine Sprachkenntnisse inzwischen bringen: Mit unserer Putzfrau klären, wann sie kommt um die Katzen zu füttern, Tische in Restaurants reservieren, den Taxifahrer dirigieren oder dem Fahrer zu sagen, wann er uns zur chinesischen Mauer fahren soll, Handeln auf dem Fake-Markt oder einfach nur nach dem Weg fragen: All das funktioniert inzwischen relativ reibungslos.</p>
<p>Und dann überfallen sie einen, die Situatonen, in denen man China schutzlos ausgeliefert ist. Plötzlich komme ich nicht mehr in unser Haus, weil sie einfach so den Geheimcode an der Tür geändert haben. Er lautet jetzt nicht mehr 00123456. Wie sonst, kann ich dem Herren von der Verwaltung leider nicht entlocken, woraufhin eine chinesische Nachbarin mir rät, ich solle doch mal 00654321 versuchen. Warum, frage ich, typisch deutsch. Na, das könnte doch die neue Nummer sein, sagt sie. Klar, genauso wie alle anderen 100.000.000 möglichen Kombinationen für eine achtstellige Zahlenreihe.</p>
<p>Oder dann der Versuch, mit dem Zug nach Shanghai zu fahren. Eigentlich kein Problem, aber das sind die gefährlichsten Situationen: Wenn man nichts Böses ahnt. Samstagfrüh mit dem Auto zum Bahnhof. Kein Parkplatz. Das ist nicht ungewöhnlich, immerhin ist das Gebiet um den neuen Wahnhof, Entschuldigung, Tippfehler, Bahnhof Jinan West noch nicht fertig und es gibt erst zwei kleine Parkplätze. Aber normalerweise herrscht &#8211; nicht ganz überraschend für einen Bahnhof &#8211; ein ständiges Kommen und Gehen. Nicht so an diesem Tag. Zwar sind wir das zweite Auto in der Schlange, doch es dauert über eine Stunde, bis wir unseren Platz haben. Glücklicherweise, denke ich mir, haben wir noch kein Ticket gekauft, denn sonst hätten wir unseren Zug sicher verpasst. Leider aber stellt sich am Ticketschalter heraus, dass die beiden nächsten Züge nach Shanghai ausgebucht sind. Also noch eine gute Stunde warten. Um acht aus dem Haus um um 16 Uhr in Shanghai zu sein. Super. Noch schlimmer ist nur der Gedanke, der mir durch den Kopf schießt: &#8220;Julia, wie lange bist du jetzt dabei?&#8221; Ja, ich hätte es wissen müssen.</p>
<p>Ziemlich genervt von China mache ich einen Selbstversuch und stelle mich ein Buch lesend mitten in die Bahnhofshalle. Obwohl um mich herum jede Menge Platz ist, werde ich binnen weniger Minuten dreimal heftig angerempelt. Warum passiert das? Sind sie blind? Oder koordinativ so schwach, dass sie ihre Laufrichtung nicht steuern können? Nein, meint Jörg, sie wollen einfach nur einmal eine blonde Frau berührt haben.</p>
<p>Manche Dinge hier werde ich nie verstehen. Dann tröste ich mich mit dem Gedanken, dass von den sechs Monaten bis zu meinem nächsten Deutschlandaufenthalt, die ich im Januar noch für schier unendlich gehalten habe, schon nur noch zwei übrig sind. Darauf, dass ich diese Zeit unbeschadet überstanden habe, bin ich so stolz wie auf meinen ersten Marathon. Nein, stolzer.</p>
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		<title>Jinans schöne Seiten sind zu zweit und haben Pfoten</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 06:35:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image002.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-357" title="image002" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image002-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image003.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-356" title="image003" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image003-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image004.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-355" title="image004" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image004-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image005.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-354" title="image005" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image005-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image006.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-353" title="image006" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image006-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image010.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-349" title="image010" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image010-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image011.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-348" title="image011" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image011-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image012.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-347" title="image012" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image012-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image013.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-346" title="image013" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image013-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image014.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-345" title="image014" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image014-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image015.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-344" title="Luke und Joda" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/04/image015-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a></p>
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		<title>Wann ist eigentlich Alltag?</title>
		<link>http://www.juliarauch.de/archives/335</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Mar 2012 04:37:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, mein Freund China und ich sind mitten im verflixten siebten Monat. Das bedeutet, dass unsere Beziehung inzwischen einen Alltag hat, in dem wir uns so zurecht geruckelt haben. Die täglichen kleinen Stolpersteine fallen nicht mehr so auf, dafür &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/335">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/03/Hong-Kong.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-336" title="Hong Kong" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/03/Hong-Kong-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a><em>Liebes Tagebuch,</em></p>
<p><em>mein Freund China und ich sind mitten im verflixten siebten Monat. Das bedeutet, dass unsere Beziehung inzwischen einen Alltag hat, in dem wir uns so zurecht geruckelt haben. Die täglichen kleinen Stolpersteine fallen nicht mehr so auf, dafür hat man jetzt wieder mehr Gelegenheit sich auf sich selbst zu konzentrieren. Aber: Will man das überhaupt? Anders als beim Sonntagsbraten nämlich macht das Schmoren im eigenen Saft mich nicht gerade zarter.</em></p>
<p>Nun denn, Alltag. Ein ganz und gar gewöhnliches Wort, und dennoch steckt so viel darin, wenn man ihn verloren hatte und quasi aus dem Nichts erschaffen muss. Und dann noch mit kleinen Hindernissen wie einer fremden Kultur. Dennoch, und darauf bin ich fast ein bisschen stolz, haben wir es geschafft. Für Markus war das natürlich einfacher, denn seinen Tagesablauf regelt die Arbeit für ihn. Diese Vakanz versuche ich mit dem Chinesisch-Studium zu füllen – meinen Beruf ersetzt das aber nicht. Die ständige Auswendiglernerei ist zwar nettes Gehirnjogging, intellektuell verlangt sie aber nicht gerade Höchstleistungen. In dieser Hinsicht bin ich unterfordert und Besserung ist nicht in Sicht. Da hilft es auch nicht viel, dass ich jetzt zwei Zehnjährige in Deutsch unterrichte.</p>
<p>Das meine ich mit „im eigenen Saft schmoren“: Wodurch definiert man sich, wenn man sich nicht mehr beweisen muss? Meine einzige Aufgabe besteht also nun darin, mich psychisch gesund zu halten. Sport ist dabei mein bester Psychiater – das ist ja nun nichts Neues, aber hier ist es noch viel wichtiger als zuhause in Deutschland.</p>
<p>Was ich außerdem brauche wie die Luft zum Atmen ist die Aussicht, Jinan immer wieder zu verlassen. Letztes Wochenende waren wir beispielsweise in Hong Kong (im Bild die Harbourfront, im Moment wohl eine der teuersten Wohnlagen der Welt). Gerade dort wird einem allzu deutlich vor Augen geführt, was in Festlandchina fehlt: Die Menschen sind höflich, gut gekleidet (klar, weil reich), man kommt mit Englisch klar, kann alles kaufen, was das westliche Herz begehrt und von jeder Zeitungsauslage her schreit einen die Pressefreiheit geradezu an. So stellen wir uns Zivilisation vor. Und dann kommt man zurück nach Jinan und findet Menschen, die im grünen Kommunistenmantel auf ihrem Elektroroller ohne Licht bei Nacht gegen die Fahrtrichtung auf der linken Spur der Autobahn fahren. Oder selbige, schwarz gekleidet und natürlich ebenfalls bei Nacht, zu Fuß überqueren. Und dabei ständig Spucken. Ok, das ist jetzt einseitig, aber nun einmal wahr.</p>
<p>In diesem China, und über diese Entwicklung muss ich mich wundern, fange ich an, einen gewissen Luxus zu genießen. Mein jüngstes Hobby heißt &#8220;Brunch in Luxushotels&#8221;. Hummer und Champagner trösten einen über so manchen grauen Tag in Jinan hinweg.  Nur Selbstschutz oder doch eher -betrug?</p>
<p>Wie viel Alltag ist denn, wenn man eigentlich nur für die nächste Flucht aus selbigem lebt? Wenn man schon bei der Landung nach einer Reise die Tage bis zur nächsten zählt? Und: Vergehen so drei Jahre?</p>
<p>Immerhin hilft der geregelte Tagesablauf, den ich mir geschaffen habe. Fünf bis sechs Stunden Uni, zwei Stunden Sport, Lernen, Einkaufen, Kochen – und dabei natürlich strenge Diät halten. Schließlich geht es nächstes Wochenende wieder nach Shanghai. Nur eine Nacht, aber mit deutscher Sterneküche am Samstag und Champagner-Brunch am Sonntag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und als versöhnlichen Abschluss will ich euch eine Geschichte nicht vorenthalten, die mir ein ganz lieber Mensch mit auf den Weg gegeben hat und die ganz gut auf die Situation passt:</p>
<p>„Manchmal sollten wir ein bisschen mehr von der Bärenraupe haben&#8230; Die Chance einer Bärenraupe? Kein Chance, sechs Meter Asphalt, zwanzig Autos in einer Minute, fünf Laster, ein Schlepper, ein Pferdefuhrwerk. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist. Sie weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds. Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst, herrliches Grün, vermutlich fressbar. Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber. Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen. Zwanzig Autos in der Minute. Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Geht los, und geht, und geht&#8230;</p>
<p>&#8230;und kommt an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dann mach&#8217; ich mich mal auf mit meinen Stummelfüßen!</p>
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		<title>Katze müsste man sein</title>
		<link>http://www.juliarauch.de/archives/322</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 08:41:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, die Beziehung zu meinem Freund China stabilisiert sich weiter. Das bedeutet, dass wir immer genauer wissen, was wir von einander zu erwarten haben &#8211; und was nicht. Und es beudetet, dass wir beginnen, unsere Verschiedenheit als gegeben zu &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/322">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Liebes Tagebuch,<br />
die Beziehung zu meinem Freund China stabilisiert sich weiter. Das bedeutet, dass wir immer genauer wissen, was wir von einander zu erwarten haben &#8211; und was nicht. Und es beudetet, dass wir beginnen, unsere Verschiedenheit als gegeben zu akzeptieren. Wie verschieden wir sind, wird uns tagtäglich aufs Neue vor Augen geführt. Doch ich beginne zu begreifen, dass diese Verschiedenheit die einzige Konstante in unserer Beziehung ist.</em><br />
<a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Joda-Luke-Julia-Rücken.jpg"><img class="alignleft  wp-image-324" style="border: 2px solid black;" title="Joda Luke Julia Rücken" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Joda-Luke-Julia-Rücken-1024x617.jpg" alt="" width="576" height="347" /></a><br />
<a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Luke-Kopf-Großaufnahme.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-326" title="Luke Kopf Großaufnahme" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Luke-Kopf-Großaufnahme-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" /></a><br />
Katze müsste man sein. Noch besser Babykatze. Und am besten eine von zwei Babykatzen im Hause Rauch. Immer lecker zu essen und ein weiches Plätzchen, zwei Zweibeiner, die völlig vernarrt in einen sind und ständig Dinge wie &#8220;Ach guck mal, wie süß&#8221; sagen und die mit Streicheleinheiten deutlich großzügiger umgehen als mit Schimpfe, auch wenn man mal den neuen <a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Joda-Kopf-Großaufnahme.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-325" title="Joda Kopf Großaufnahme" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Joda-Kopf-Großaufnahme-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" /></a>Vorhang hochkrabbelt oder die am Boden stehen gelassene Louis Vuitton (ok, die am Boden stehen gelassene gefälschte Louis Vuitton) anknabbert. Da kann man schon mal innerhalb von zweieinhalb Wochen sein Körpergewicht verdoppeln und das findet dann auch noch jeder toll.<br />
Der noch größere Vorteil am Katzesein aber ist die Fähigkeit zum Nichtstun und Nichtsdenken. Das ist uns Menschen ja leider nicht vergönnt. Mir jedenfalls nicht. So beschäftigen mich zur Zeit immer wieder Gedanken an diesen Unterschied: Den zwischen Deutschland und China, konkreter den zwischen uns und den Chinesen.<br />
Meine Ayi zum Beispiel (für die Neu-Abonnenten: chinesisch für Tante, in diesem Zusammenhang die Haushälterin). Sie ist ein Jahr älter als ich. Wenn Sie mich bittet, die frisch geputzte Wohnung zu kontrollieren, oder wenn sie putzt und ich am Computer sitze, komme ich mir richtig blöd vor. Sie dagegen scheint das völlig normal zu finden. Warum stehe ich auf der einen und sie auf der anderen Seite? Ist es nicht purer Zufall, dass ich nicht ihre Wohnung putze? Der einzige wirkliche Unterschied zwischen uns ist, dass ich nunmal in Deutschland geboren bin. Das ist schon irgendwie erschreckend.<br />
Aber was tun? Ihr Geld schenken? Und was wird dann mit den Arbeitern von der Nachbarbaustelle, die bei Minusgraden Dreischichtbetrieb arbeiten, in Baucontainern leben und unter der Unterführung abendessen? Oder selbst den chinesischen Studenten, die sich zu sechst ein winziges Zimmer und pro Stockwerk ein Bad teilen &#8211; und damit dem eigentlichen Elend schon entgangen sind?<br />
Ein Stück weit gehört es hier zu unserem Lebensgefühl, uns anders zu fühlen. Und man muss sagen, dass unsere Gastgeber das geradzu befördern. Indem sie alles an uns toll finden und mit jedem Blick, mit jedem Wort sagen, &#8220;Ich wünschte, ich wäre wie du&#8221;. Und indem sie uns zugleich nie missgünstig gegenübertreten. Vielmehr scheint es hier selbstvständlich, dass man als Deutscher seine Privilegien verdient hat. Qua Geburt.<br />
Was das Erstaunliche ist: Mit der Zeit, ganz langsam und ohne dass man es merkt, fängt man irgendwann an, ihnen zu glauben. Das blöde Gefühl, das ich immer wieder mal habe, wenn ich zum Beispiel mit dem großen Auto durch den Unicampus fahre, wird so irgendwie erträglicher. Ich bin ja nicht wie sie. Hab ichs doch verdient?<br />
Also Augen zu und durch? Nein, besser: Augen auf und durch. Denn tun kann ich nur eines, und auch das nur für mich selbst. Ab und an mal innehalten und wenigstens ein klein bisschen dankbar sein. Dem Zufall, der mich hat in Nürnberg zur Welt kommen lassen. Und nicht in Yibin, Wuding oder sonstwo.</p>
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		<title>Skiprofis unter sich</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 02:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, Skifahren ist mir heilig. Es gibt dabei gewissen Grundsätze, die einfach unumstößlich sind. Man muss es nach bestimmten Regeln erlernen, man legt Wert auf seine Ausstattung, der Skitag selbst läuft nach einem immer gleichen, sehr, sehr lieb gewonnenen &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/312">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Julia-Markus-Skifahren.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-313" title="Julia Markus Skifahren" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Julia-Markus-Skifahren-300x233.jpg" alt="" width="300" height="233" /></a>Liebes Tagebuch,</em><br />
<em>Skifahren ist mir heilig. Es gibt dabei gewissen Grundsätze, die einfach unumstößlich sind. Man muss es nach bestimmten Regeln erlernen, man legt Wert auf seine Ausstattung, der Skitag selbst läuft nach einem immer gleichen, sehr, sehr lieb gewonnenen Ritual ab. Und es ist mit einer ganz bestimmten, feierlich-ehrfürchtige Geisteshaltung verbunden. Mein Freund China sieht das – erwartungsgemäß – ein bisschen anders. Und wesentlich pragmatischer.</em></p>
<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Skischuhe.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-314" title="Skischuhe" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Skischuhe-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Skifahren in China? Nun, dieses Land ist so groß, irgendwo hier gibt es sicher alles. So auch ein Skigebiet. Und zwar, sehr zu unserer Freude, nur eine gute Autostunde entfernt. Zwar hat es hier seit wohl acht Wochen keinen Niederschlag gegeben, aber es war konstant weit unter null Grad. Ideale Kunstschneebedingungen also. Weil wir China ja inzwischen ein bisschen kennen, hatten wir uns schon darauf vorbereitet, nicht das vorzufinden, was wir aus Österreich, der Schweiz oder sonst woher kennen. Das wäre ja auch zu viel des Guten.<a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Skier-II.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-315" title="Skier II" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Skier-II-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><br />
Zu acht auf zwei Autos verteilt kamen wir also an. Morgens um 9 schon, denn zum Skifahren steht man früh auf. Wir dürften mit die ersten Gäste gewesen sein an diesem Tag.<br />
Unsere komplette Ausrüstung ist in Deutschland – aber kein Problem, nachdem man Eintritt gezahlt hat, geht man durch eine nur leicht schmuddelige Halle, in der man vom Skischuh bis zur Skibrille alles leihen kann. Nach dem ersten Blick auf die Klamotten entschlossen wir uns, die eigenen Jacken anzubehalten <a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Chinese-Lift-zu-Fuß.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-317" title="Chinese Lift zu Fuß" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Chinese-Lift-zu-Fuß-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>und nur eine Hose zu leihen. Ein anderer deutscher Bekannter hatte weniger Glück: Er brauchte Jacke und Hose – und bekam einen äußerst kleidsamen roten Einteiler, der zudem wirklich widerlich nach Schweiß stank.<br />
Weiter ging es mit Schuhen. Solche Skischuhe habe ich seit ich Kleinkind war nicht mehr zu Gesicht bekommen (siehe Foto)! Markus frohlockte zunächst, sehnt er sich doch seit Jahren nach dem guten alten Heckeinsteiger zurück. Seine Freude verpuffte allerdings, als er feststellte, dass die Schließe besagten Heckeinsteigers kaputt war. <a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Skifahren-Kind-zu-große-Schuhe.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-316" title="Skifahren Kind zu große Schuhe" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Skifahren-Kind-zu-große-Schuhe-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Und bei Schuhgröße 45 ist die Auswahl in China nun einmal deutlich beschränkt.<br />
Fertig ausstaffiert wurden wir mit der Premium-Klasse an Skiern: Völkl aus der ersten Carvingski-Generation. Die waren wenigstens nur etwa zehn Jahre alt, verglichen mit den 20 oder mehr, die die anderen Gräten auf dem Buckel zu haben schienen (siehe Foto). Und rauf auf den Berg.<br />
Drei Lifte gab es. Der „große“ Sessellift war allerdings außer Betrieb. <a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Chinesin-Skifahren-ein-Ski.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-318" title="Chinesin Skifahren ein Ski" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Chinesin-Skifahren-ein-Ski-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Blieben zwei Tellerlifte, für die Franken unter uns: Vielleicht ein Drittel von Osternohe in Punkto Länge und Schwierigkeitsgrad. Da ich beim Skifahren viel Wert auf ein diszipliniertes Anstehverhalten lege, dauerte es etwa 20 Minuten, bis wir den ersten Teller ergattert hatten. Dann aber ging es in geradezu rasanter Geschwindigkeit nach oben. Zu Fuß wäre schneller gewesen, was einen findigen Chinesen dazu verleitete, seine Sportgeräte abzuschnallen und sich gehenderweise vom Lift ziehen zu lassen (siehe Foto). Keine dumme Idee eigentlich, denn auf Skiern stand er nicht wirklich sicher im Lift.<br />
So, und jetzt zum eigentlich Kuriosen: Die allermeisten Chinesen sind so gut wie frei von jeglichem Körpergefühl oder Bewegungstalent. Das wusste ich schon aus dem Fitnessstudio. Diesen Makel kompensieren sie aber mit Wagemut. Ski geradeaus, Stecken hinten in die Luft – und dann Augen zu- und erst wieder beim Zerschellen in der Menschenmenge wieder aufmachen. Ein unglaubliches Schauspiel. Wir haben Stürze gesehen, da hätte ich zuhause sofort den Hubschrauber gerufen, aber der Chinese rappelt sich auf – und weiter geht’s. Wenn er es den schafft, die Ski wieder an die Schuhe zu bauen. Womit wir beim nächsten Komödienschauplatz wären.<br />
Nachdem wir nun selbst zwei, dreimal den Babyhügel herunter gehetschelt waren, entschieden wir, dass die Einnahme eines unserer mitgebrachten Hopfengetränke angezeigt sei. Dazu postierten wir uns in aussichtsreicher Position im „Tal“, direkt im Dreieck zwischen Piste, Liften und Verleihstation. Und was wir zu sehen bekamen, waren nicht nur weitere spektakuläre Stürze, sondern auch über die Piste schießende Ski (die Skibremsen waren bei allen Leihskiern nach oben gebogen. Wozu auch diese komischen Dinger?), eine Chinesin, die mit Schwimmbrille fuhr, eine andere, die die Skibrille mit der Nasenaussparung an der Stirn trug sowie einen kleinen Jungen, der offenbar die Skischuhe seines Vaters anhatte.<br />
Und natürlich verzweifelte Versuche, Skibindungen zu bedienen.<br />
Der Höhepunkt war eine nicht mehr ganz so junge Dame, die in unser Blickfeld geriet, als sie gerade versuchte, ihren zweiten Ski anzuschnallen. Dazu stützte sie sich mit beiden Stecken im Schnee ab (clever!), ehe sie den freien Fuß hochhob. Jetzt hatte sich aber durch das Gehen viel Schnee an der Schuhsole gesammelt. Um den abzuklopfen, musste sie aber einen Skistock vom Boden lösen. Das bedurfte einiger Versuche. Schließlich aber setzte sie den Schuh gekonnt in den vorderen Bindungsbacken. Allerdings war die Bindung auf den ersten Blick erkennbar viel zu groß eingestellt. Sooft sie also auf den Ski eintrat, das Ding wollte nicht einrasten. Anstatt nun aber zurück in den Verleih zu gehen und um Hilfe zu bitten, nahm sie den Ski wieder in die Hand und stapfte weiter Richtung Lift (siehe Foto). Um es zehn Meter später noch einmal zu versuchen. Ihr dürft raten, mit welchem Erfolg.<br />
Fazit: Fehlende Transferleistung gibt maximal Note vier. In Punkto Spaßfaktor aber bekommen alle eine eins.</p>
<p>Und der Tag ging toll weiter: Am Rückweg hielten wir in einer unserer neuen Shopping-Malls, die weit im Westen der Stadt, also weit von unserer Wohnung entfernt liegt. Dort gibt es einen H&amp;M, das wusste ich schon. Aber noch besser: Auch einen „Cold Stone“. Das ist eine Eiscreme-Kette aus USA, die ich seit unserem ersten Besuch dort (2008 in Shanghai) in jeder Stadt suche, weil das Eis so genial ist. Und das hier in Jinan! Und als wir da so unseren Starbucks schlürfen (für Eis war’s doch zu kalt), kommt doch tatsächlich ein chinesischer Junge zu uns und spricht uns in fast akzentfreiem Englisch an. Er wolle sich nur ein bisschen unterhalten um sein Englisch zu trainieren. Er sei zwölf und lerne die Sprache seit acht Jahren. Hut ab.</p>
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		<title>Von Neuzugängen und der Jagd nach Backzutaten</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 02:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, China und ich haben unsere erste große Krise hinter uns gebracht. Jetzt haben wir beide beschlossen, dass wir reif sind für den nächsten Schritt: Den berühmten Katzentest. Wir haben uns also zwei kleine Fellknäuel angeschafft. So wird sich &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/302">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Miezen.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-303" title="Miezen" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Miezen-300x203.jpg" alt="" width="300" height="203" /></a><em>Liebes Tagebuch,<br />
China und ich haben unsere erste große Krise hinter uns gebracht. Jetzt haben wir beide beschlossen, dass wir reif sind für den nächsten Schritt: Den berühmten Katzentest. Wir haben uns also zwei kleine Fellknäuel angeschafft. So wird sich schnell herausstellen, ob wir gemeinsam Verantwortung tragen können. Naja, im Zweifel schaff ich das wohl auch allein. Willkommen jedenfalls an unsere beiden neuen Mitbewohner (Namenssuche läuft noch. Vorschläge sind herzlich willkommen, sind zwei Jungens)!</em></p>
<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Markus-Julia-Sonnenuntergang.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-304" title="Markus Julia Sonnenuntergang" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Markus-Julia-Sonnenuntergang-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nach unserem großartigen Urlaub in Malaysia haben Markus und ich die Wiedereingewöhnung in Jinan recht gut überstanden – auch wenn sie durch 40 Grad Temperaturunterschied von Kuala Lumpur nach Peking nicht gerade leichter wurde.<br />
Mein Geburtstag war ein bisschen trist, und das nicht nur, weil jetzt offiziell mein 30. Lebensjahr läuft. Ist schon blöd, wenn man den ganzen „Jubel“-Tag lang allein ist. Aber was soll’s, hab ich halt weiter Kisten ausgeräumt. <a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Petronas-Towers1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-308" title="Petronas Towers" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/02/Petronas-Towers1-e1328582000822.jpg" alt="" width="150" height="242" /></a><br />
Abends waren wir italienisch essen, das war nett. Von Markus gab es einen Marco Polo über Tokio, dahin wird uns also Ende April ein Kurztrip führen. Die Aussicht auf weitere Reisen an sich macht den Alltag hier erträglich: Neben Besuchen in Peking, Shanghai und Hong Kong steht in den nächsten Monaten Saigon in Vietnam auf dem Plan, da habe ich eine Jugendfreundin (verdammt, ich werde wirklich alt). Und im Oktober wollen wir nach Neuseeland – ach ja, und zweimal nach Deutschland natürlich. Das entschädigt doch für Vieles.<br />
Vergangenes Wochenende hatten wir dann ein paar deutsche Freunde (fast alle sind auch unsere Nachbarn) zum Nachgeburtstags-Kaffeetrinken eingeladen. Kuchenbacken kann ich ja, aber die Zutatenbeschaffung hier hat etwas von Jagen und Sammeln. Keine gemahlenen Nüsse? Muss eben ein nussfähiger Mixer her. Wenn dann allerdings die Mandeln, die man für den Karottenkuchen gebraucht hätte, gesalzen sind, wird’s schwierig… Käsekuchen hätt’ ich gern gemacht, aber Quark? Keine Chance. Zum Glück hab ich auch zwei Wok-Kochbücher, für die Rezepte gibt’s wenigstens die Zutaten. Pizza kann man selber backen, auch Nudeln oder Spätzle gehen. Seit einer guten Woche – noch sind Semesterferien in der Uni – versuche ich nun, mich möglichst klaglos in meine Rolle als Hausfrau zu fügen. Gelingt mir meistens ganz gut, glücklicherweise koche ich wirklich gerne. Das ist hier zwar teuer als essen gehen, aber deutlich besser für die Linie.<br />
Und seit heute habe ich ja auch noch zwei Fellkinder zu versorgen. Keine Kuhmilch soll ich ihnen geben, hab ich gelesen. Wo bitte soll ich denn in China was anderes herbekommen? Bin ja froh, dass man wenigstens die kaufen kann!<br />
Die beste Nachricht der letzten Tage: Wir haben endlich einen Weg aufgetan, deutsches Fernsehen zu sehen, nämlich über einen Online-Videorecorder. Seitdem läuft bei uns quasi täglich Tatort – absolut genial. Kein Witz. Heute allerdings wenig unterhaltsam, denn heute ist der letzte Tag des zwei Wochen andauernden chinesischen Neujahrsfest-Marathons. Geböllert wird in dieser Zeit eigentlich durchgehen, heute erreichen die Feuerwerke allerdings noch einmal einen raketenartigen Höhepunkt. Ganz schön mulmiges Gefühl, wenn man im 18. Stock wohnt und die Dinger direkt vor dem Fenster explodieren. Die Katzenbabys hocken seit vier Stunden unterm Sofa.</p>
<p>So finden wir uns von Tag zu Tag besser zurecht, doch ob so mancher Entwicklung, die man hier mitbekommt, wünscht man sich doch noch ins beschauliche Deutschland zurück:<br />
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren einst die USA. Heute kann das eigentlich nur noch China sein. Hochhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden, ebenso wie Bahnstrecken, Fastfood-Restaurants oder ganze Industriegebiete. Da schaust du morgens aus dem Fenster und siehst plötzlich den Berggipfel (naja, Hügelgipfel) gegenüber nicht mehr, weil da quasi über Nacht eine neue Siedlung mit 20-stöckigen Apartmenthäusern entstanden ist. An unserem schicken neuen Bahnhof (der, von dem aus wir in eineinhalb Stunden nach Peking düsen) haben wir immer einen Ort vermisst, an dem man sich mal hinsetzen und einen Kaffee trinken kann. Kaum ist man mal ein paar Wochen nicht da, haben ein KFC und ein McDonalds eröffnet.<br />
Rund um diesem Bahnhof entsteht eine komplette neue Stadt mit Wohnsiedlungen für geschätzte 100000 Menschen, Einkaufszentren, Parks… Und am anderen Ende von Jinan, am Flughafen, wird gerade ein Industriegebiet aus dem Boden gestampft. Dazu muss man sagen, dass die Industriegebiete, die ich aus Deutschland so kenne, geradezu lächerlich klein sind im Vergleich zu denen hier.<br />
Für Wohnsiedlungen sowie Industriegebiete gilt aber: Kann das gut gehen? Woher sollen denn die Leute kommen, die sich die schicken neuen Wohnungen leisten können? Schließlich steht unser zwei Jahre alter Compound halb leer, weil er den meisten Chinesen zu teuer ist, und trotzdem wird um uns herum einer an den anderen neu gebaut, so weit das Auge reicht. Klar hat China genug Menschen, aber die haben im Monat ihre 300 Yuan zum Wohnen und keine 5000. (Zu diesem Thema sehr zu empfehlen: Die Fernsehreportage „Eine Geisterstadt als wirtschaftliches Erfolgsmodell“ von der ARD-Chinakorrespondetin Christine Adelhardt, .)<br />
Und das neue Industriegebiet (natürlich auch nur eins von vielen) ist erst zu einem Bruchteil bezogen, hat schon jetzt Probleme mit der Stromversorgung – und hier soll produzierendes Gewerbe einziehen, denn das will man schließlich aus dem Zentrum an den Stadtrand verlagern… Ich verstehe nicht viel von Stadtentwicklung und auch nicht von Volkswirtschaft, aber irgendwie erscheint mir das dennoch seltsam.</p>
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		<title>Soll ich jetzt lachen oder schreiend davonlaufen?</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 02:14:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, wie habe ich mich in den letzten beiden Briefen an dich über meinen Freund China beklagt. Manches davon habe ich in schlechter Laune geschrieben, tatsächlich ist einiges vielleicht gar nicht so schlimm. Jedenfall schafft China es doch immer &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/286">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/20120122-101921.jpg"><img src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/20120122-101921.jpg" alt="20120122-101921.jpg" class="alignright size-full" /></a></p>
<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/20120122-101959.jpg"><img src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/20120122-101959.jpg" alt="20120122-101959.jpg" class="alignright size-full" /></a><em>Liebes Tagebuch,<br />
wie habe ich mich in den letzten beiden Briefen an dich über meinen Freund China beklagt. Manches davon habe ich in schlechter Laune geschrieben, tatsächlich ist einiges vielleicht gar nicht so schlimm. Jedenfall schafft China es doch immer wieder, mich mit seinem kuriosen Verhalten (oder zumindet mit seinem schlechten Englisch, siehe Bilder) zum  Lachen zu bringen.</em></p>
<p>Neulich im Fitnesstudio. Als ich eintreffe, ist nur noch ein Laufband frei. Rechts neben mir ein älterer Herr, der tapfer seine sechs Kilometer pro Stunde geht. Klar, da kann einem schon mal langweilig werden, wie gut, dass vor jedem Gerät ein Fernsehen an der Wand hängt.  Und wie gut, dass gerade die neueste Folge von &#8220;China sucht den Superstar&#8221; läuft. Jetzt machen 25 nebeneinander stehende Laufbänder natürlich ein bisschen Lärm, aber der Fernseher kann mehr. Mein iPhone übertönt das leider trotz Kopfhörern nicht. Ich schalte von Hörbuch auf Elektro-Mucke um &#8211; bringt wenig: Noch immer höre ich deutlich die Darbietungen der chinesischen Stars von morgen. Und die sind vor allem eines: für unsere Ohren ziemlich schrill. Aber gut, denke ich mir, den sitzt du aus, wie lange kann er das in seinem Alter schon machen? Und tatsächlich, nach rund 20 Minuten verlässt die Nervensäge das Laufband. Natürlich nicht, ohne noch einmal die Fernbedienung in die Hand zu nehmen. Gottseidank, jetzt schaltet er aus, denke ich. Weit gefehlt. Er muss nur lauter machen, schließlich will er noch aufs Liegefahrrad, und das steht ja viel weiter weg vom Fernseher&#8230;</p>
<p>Von der Tatsache, dass chinesische Kleinkinder keine Windeln, sondern einfach Hosen mit Löchern im Schritt tragen, habe ich bereits berichtet. Aber es geht noch besser: Ich stehe im Berufsverkehr an einer roten Ampel. Plötzlich öffnet sich am Auto nebenan die mir zugewandte Beifahrertür. Eine Mutter hat ihr vielleicht dreijähriges Kind auf dem Schoß, dreht es mit einer gekonnten Rumpfbeuge  zur Seite (hält es also über die Straße, mir quasi direkt vor die Nase), und der Kleine&#8230; Nun ja. Ich war so baff, dass ich beinahe die nächste Grünphase verpasst hätte. Ein Foto hätte ich machen sollen, aber anders als die Chinesen habe ich da sogar als gelernte Journalistin manchmal Skrupel.</p>
<p>Zu dem Luxus, den wir uns hier leisten, gehört eine Haushälterin. Eine zu finden, ist in den Metropolen Shanghai und Peking sicher kein so großes Problem, dort leben so viele &#8220;reiche&#8221; Menschen,  dass es einen genügend großen Markt dafür gibt. In Jinan scheint das etwas anderes zu sein. Die erste, die wir aufgetan hatten, war super goldig und sorgfältig, wohnt aber eineinhalb Elektrorollerstunden (einfache Strecke) von uns entfernt, ganz im Westen der Stadt. Daher wollte sie nur einmal die Woche kommen, und ich hätte gern jemanden für zwei oder drei mal (unsere Küche hat, wie die meisten chinesischen, keine Geschirrspülmaschine). Also weiter suchen. Nummer zwei wohnt näher da und schien mir auch recht nett. Zwar wollte sie weder meinen Staubsauger benutzen (das kennt man hier noch nicht flächendeckend, und meine Argumente, wie praktisch das sei, zogen nicht), noch gefiel ihr der tolle HaRa-Wischmopp, den ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Wie sie den Boden trotzdem so sauber bekommen hat, ist mir fast so schleierhaft wie gleichgültig. Was mir nicht gleichgültig ist, ist die Tatsache, dass sie das hübsche Ikea-Duftpotpourri, das ich so liebevoll ins Gästeklo gestellt hatte, einfach weggeschmissen hat. &#8220;Die Blumen hat sie wohl vergessen zu gießen, die Laowai (Anm.: &#8220;Fremde&#8221;, so nennen sie uns)&#8221;, muss sie sich gedacht haben. Und weg damit. Wir brauchen also noch ein, zwei Trainerstunden, aber dann steht einer langen, glücklichen gemeinsamen Zeit nichts mehr im Wege. Für 20 Yuan in der Stunde (das sind bei dem momentan miserablen Kurs immerhin deutlich über 2 Euro).</p>
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		<title>Willkommen in der Realität</title>
		<link>http://www.juliarauch.de/archives/272</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 03:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, ich habe lange nichts von mir hören lassen &#8211; aber glaube mir, das war besser so. Mein Freund China und ich hatten unsere erste tiefe Krise. Sollte es ein Fehler gewesen sein, dass ich Deutschland für China verlassen &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/272">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Esstisch.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-276" title="Esstisch" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Esstisch-300x223.jpg" alt="" width="300" height="223" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Bett.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-273" title="Bett" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Bett-300x207.jpg" alt="" width="300" height="207" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Büro.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-274" title="Büro" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Büro-300x182.jpg" alt="" width="300" height="182" /></a><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Wohnzimmer.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-275" title="Wohnzimmer" src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/Wohnzimmer-300x212.jpg" alt="" width="300" height="212" /></a><em>Liebes Tagebuch,</p>
<p>ich habe lange nichts von mir hören lassen &#8211; aber glaube mir, das war besser so. Mein Freund China und ich hatten unsere erste tiefe Krise. Sollte es ein Fehler gewesen sein, dass ich Deutschland für China verlassen habe?</em></p>
<p>&#8220;Honeymoon&#8221;, Flitterwochen, nennen viele Expats die ersten Wochen und Monate in einem fremden Land. Das ist die Zeit, in der man alles am anderen (Land) toll findet, spannend, aufregend, sogar die kleinen Schwächen sind toll. Doch diese Zeit ist irgendwann vorbei. Bei mir hat sie schlagartig geendet, als wir nach der wunderschönen Weihnachtszeit in Deutschland nach China zurückgekommen sind.</p>
<p>Zunächst stand Silvester an. Wir waren mit Freunden auf einer Privatparty in Peking, die war super, um die 40 Leute aus aller Herren Länder, aber eben alles Fremde. Kein Feuerwerk um Mitternacht &#8211; die Chinesen feiern ihr Neujahrsfest nach dem Mondkalender, also zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Nichts war wie immer. Mit Tränen in den Augen ins neue Jahr zu starten macht keinen Spaß. Darüber konnten auch die 40 Euro, die ich beim Pokern gewonnen habe, nicht hinwegtäuschen.</p>
<p>Jetzt ist Peking immerhin noch eine aufregende, verhältnismäßig westliche Stadt &#8211; der Weg im Taxi vom Bahnhof in Jinan zurück zu unserer Wohnung am 1. Januar aber war die blanke Hölle. Das für diese Stadt so typische Grau &#8211; sogar die Luft hat hier diese Farbe &#8211; wollte mich schier erdrücken. Die zwar luxuriöse, aber nur halbfertig eingerichtete Wohnung machte den ersten Eindruck nur unwesentlich besser. Jeder Gegenstand, den ich herumliegen sah, erinnerte mich an Deutschland, an Familie und Freunde. Jeder trieb mir erneut die Tränen in die Augen. Markus, den dieses Problem bisher verschont hat, war am Verzweifeln, weil er schlicht nichts tun konnte, außer mich stundenlang im Arm zu halten &#8211; und nebenbei musste er ja auch wieder arbeiten.</p>
<p>Viel schlimmer noch: Am 10. Januar musste er schon wieder für eine Woche nach Deutschland &#8211; ich also allein hier am Ende der Welt. Noch hatte ich für die Prüfungen an der Uni zu lernen &#8211; nach drei Wochen in Deutschland stand ich vor einem Berg von Arbeit. Doch in der Woche seiner Abwesenheit würde ich bereits Semesterferien haben und damit faktisch keinen Grund, die Wohnung zu verlassen &#8211; außer vielleicht durchs Fenster (ich hatte erwähnt, dass wir im 18. Stock wohnen? Keine Sorge, inzwischen habe ich meine Ironie wieder gefunden).</p>
<p>Zum ersten Mal habe ich mich in diesen Tagen ernsthaft gefragt, ob es ein Fehler war, hierher zu kommen. Drei Jahre noch in diesem Loch? Wie soll ich das aushalten? Werde ich hier je wirklich glücklich sein? Und was passiert nach den drei Jahren?</p>
<p>Drei oder vier Tage lang mied ich alles, was mit Deutschland zu tun hatte. Telefonierte so wenig wie möglich mit Familie und Freunden, räumte alles weg, was mich an die Zeit zuhause erinnerte. Vergrub mich in Arbeit (entsprechend liefen meine Prüfungen recht gut und die Wohnung ist auch fast fertig, siehe Bilder), schraubte mein Trainingspensum im Fitnessstudio in die Höhe und versuchte, wieder mehr nach draußen zu gehen, einfach wieder eine Verbindung zu diesem Land zu finden.</p>
<p>Und siehe da, mit der Zeit wurde es besser. Der Abschied von Markus war noch einmal ein echter Tiefpunkt, doch wohlweislich hatte ich mich für direkt am selben Abend mit einigen Kommilitoninnen zum Essen verabredet. Am nächsten Tag kam die neue Putzfrau, abends Essen mit einem befreundeten Pärchen, tags darauf die große Herausforderung, einen Lattenrost für unser neues Bett zu besorgen (die Chinesen legen ihre Matratzen einfach auf Bretter), Samstag Abflug nach Guangzhou, Freunde besuchen&#8230; Und so plante ich jede freie Minute dieser Woche akribisch, um nicht wieder zurück in das Loch zu fallen, aus dem ich mich gerade herausgekämpft hatte.</p>
<p>Heute, zweieinhalb Wochen nach unserer Rückkehr nach China, sieht die Welt wieder besser aus. Nicht gut vielleicht, denn noch immer bin ich mir nicht ganz sicher, ob der große Frust nicht wieder zurück kommen könnte. Vermutlich wird er das, aber dann kommt er wenigstens nicht mehr so überraschend.</p>
<p>Die vier Tage in Guangzhou waren toll, nicht nur, weil es dort, 1800 Kilometer südlich von hier, frühlingshaft warm ist, während es in Jinan fast kontinuierlich Minusgrade hat. Auch, weil ich dort eine erfahrene &#8220;Leidensgenossin&#8221; vorfand. Sie lebt seit sieben Jahren mit ihrem Mann in China und ist ein reicher Fundus an Erfahrung. Mein kleines und ihr großes Wissen über das Leben hier stimmt mich &#8211; nun ja &#8211; verhalten optimistisch. Ich werde hier wohl immer auf eine andere Art und Weise glücklich sein als zuhause. Aber Glück ist eben auch, was man für sich als solches definiert.</p>
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		<title>Deutschland von Außen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 15:21:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebes Tagebuch, nachdem ich in den letzten Monaten wirklich nur Augen für meinen neuen Freund China hatte, ist mir eigentlich erst jetzt wieder aufgefallen, wie sehr mir mein einstiger bester Freund Deutschland gefehlt hat. Vermutlich muss man manchmal ein bisschen &#8230; <a href="http://www.juliarauch.de/archives/262">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/20120102-233058.jpg"><img src="http://www.juliarauch.de/wp-content/uploads/2012/01/20120102-233058-300x225.jpg" alt="" title="20120102-233058.jpg" width="300" height="225" class="alignright size-medium wp-image-267" /></a><em>Liebes Tagebuch,<br />
nachdem ich in den letzten Monaten wirklich nur Augen für meinen neuen Freund China hatte, ist mir eigentlich erst jetzt wieder aufgefallen, wie sehr mir mein einstiger bester Freund Deutschland gefehlt hat. Vermutlich muss man manchmal ein bisschen Abstand haben, um zu merken, wie sehr man etwas schätzt.</em></p>
<p>Deutschland ist super. Wusstet ihr das? Vermutlich habt ihr euch einfach nie Gedanken darüber gemacht. Eine Heimat kriegen die meisten von uns eben gratis zur Geburt, und für viele ändert sie sich auch nie. Deswegen denken wir nicht darüber nach.<br />
Genau 100 Tage nach meiner Abreise habe ich zum ersten Mal wieder deutschen Boden betreten. Bis ich im Flugzeug Richtung Nürnberg saß, ist mir eigentlich überhaupt nicht aufgefallen, wie sehr ich dieses hübsche Kleinstädtchen und seine Bewohner vermisst habe. Dazu waren die ersten Monate in China einfach zu aufregend und anstrengend. Auch Skype trug seinen Teil dazu bei, das Heimweh nicht allzu groß werden zu lassen.<br />
Aber schließlich und völlig unerwartet schossen mir doch die Freudentränen in die Augen, als die holländische Stewardess sagte: &#8220;Ladies and Gentlemen, welcome to Nuremberg&#8221;.<br />
Der erste Endruck: Verändert hat sich gar nichts. Und so war das aufregendste an der nächtlichen Fahrt vom Flughafen ins Hotel (auch seltsam, in seiner Heimatstadt im Hotel zu wohnen&#8230;) die Tatsache, dass sich die hinteren Türen unseres gemieteten Opel Meriva in die falsche Richtung öffnen, also die Scharniere hinten haben.<br />
Das Tolle am wieder zuhause sein war eindeutig: die Alltäglichkeit. Ich bin sicher schon an die 1000 Mal am Whörder See gelaufen, aber an diesem ersten Morgen hab ich dabei so gestrahlt, dass die anderen Jogger einen Bogen um mich gemacht haben, nach dem Motto &#8220;Vermutlich aus der Geschlossenen entflohen&#8221;. Vollkornbrötchen mit Emmentaler, Bratwürste, die weihnachtlich geschmückte Altstadt: Man sieht all das mit anderen Augen als bisher.<br />
Nach Laufen und Frühstück ging es zur Post, ich hatte für eine China-Freundin ein paar Päckchen zum Verschicken mitgebracht. Hauptpost am Bahnhof, Vorweihnachtszeit, man kann sich ausmalen, wie es da zuging und wie gestresst die Leute waren. Jeder motzt und rempelt und beschwert sich, nur ich stehe da und möchte am liebsten alle umarmen. Fürs Deutschsprechen, fürs Sowieimmersein, fürs Michnichtanstarren, für alles einfach. Ich hätte auch eine weitere halbe Stunde gewartet.<br />
Mit Katja Kaffeetrinken, mit Papa ins Ciao gehen, mit Mama und dem Rest meiner geliebten Bagage Weihnachten feiern &#8211; so oft getan und noch nie so genossen.<br />
Entsprechend weh tut jetzt der Abschied. Ein bisschen leichter fällt er, weil in 8000 Kilometern nicht mehr nur Ungewissheit wartet. Doch sind es diesmal nicht drei, sondern vermutlich sechs Monate, bis ich wieder nach Deutschland komme. Komme ich dann auch noch heim?<br />
Schon sitze ich wieder in Amsterdam im Flughafen und denke nach. Über Seelenfrieden, über innere Ruhe, über Glücklichsein. Nein, glücklich bin ich in diesem Moment nicht. Die nächsten Jahre werden viele schmerzliche Abschiede bringen und noch mehr Sehnsucht. Dennoch zweifle ich auch jetzt keine Sekunde an meiner Entscheidung. Denn das Leben im Ausland macht auf schmerzliche, aber wunderbare Weise bewusst, was Familie und Freunde bedeuten, was Heimat ist.</p>
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